Arbeitsteilung beim Schreiben

Ist kreatives Schreiben nur kreativ und wissenschaftliches oder berufliches Schreiben gar nicht? So zugespitzt sagt wahrscheinlich jeder nein, doch im Schreiballtag fühlt es sich manchmal anders an.

Ich gehe davon aus, dass jeder Schreibprozess beides braucht, das kreative und das formale. Kreativ geschriebene Texte profitieren von klarer Struktur und Überarbeitungen auf allen Ebenen genauso wie ein Sachtext Neues, Lebendiges, Ungewöhnliches verdient. Deshalb gelingt Schreiben immer dann, wenn der Autor/ die Autorin zwei entgegengesetzte Haltungen einnimmt: die Haltung des Künstlers und die des Kritikers.

Der Künstler in Ihnen produziert viele Ideen, stellt auch ungewöhnliche Verbindungen her, kann ansprechend und schön gestalten und ist manchmal ein wenig verrückt. Der Kritiker schaut ganz genau hin, verwirft, verbessert, strukturiert; er hat die Regeln im Kopf und verliert das Ziel und den Rahmen nicht aus den Augen. Die beiden kommen nicht gut miteinander aus, weil sie so verschieden sind, und können sich gegenseitig blockieren. Dann wird Schreiben schwer. Deshalb geht es darum klar zu haben, wer wann ans Ruder darf und wer in der aktuellen Schreibphase besser einen Kaffee trinken gehen soll.

Der Kritiker mit seinem Perfektionismus verhindert oft, dass wir überhaupt anfangen zu schreiben. Ist der Künstler zu aktiv, findet kaum ein Leser Zugang zu unserem Text, hält er sich ganz raus beim Schreiben, kann es sein, dass wir selbst vor Langeweile einschlafen. Also sollten wir Künstler und Kritiker zu einer produktiven Zusammenarbeit bewegen. Manchmal hilft es, dem zurückhaltenderen von beiden einen bestärkenden Brief zu schreiben, oder die beiden in einem Dialog ihre Zusammenarbeit selbst miteinander aushandeln zu lassen.
Und dann entstehen Texte, die klar und einfallsreich, anschaulich und strukturiert, korrekt und überraschend sind.

nach

Schreibende, Schreibinspirierte und -inspirierende, Schreibanleitende, Schreibberatende, schreibt!

Ein Gedanke zu „Arbeitsteilung beim Schreiben

  1. Pingback: Schreiben und Schreiben – zwei paar Stiefel | schreib-t-raum

Kommentare sind geschlossen.