Monologisierendes Notat

Sophie hat vor Kurzem das Buch „Schreiben dicht am Leben. Notieren und Skizzieren“ von Hanns-Joseph Ortheil entdeckt und in ihrem Blog vorgestellt. Das hat mich erinnert, dass ich im Frühsommer ganz angeregt davon mit meinem Notizbuch durch die Stadt lief und schrieb, bevor andere Dinge meine Notierwut wieder in Vergessenheit geraten ließen. Jetzt ist es zwar kalt geworden, aber ich sollte mich mal wieder mit Stift und Heft auf den Weg machen – sind ja nicht alle Notat-Anregungen für draußen gedacht. Bevor ich aber durch die Nacht renne, hier ein Notat aus meinem Heft, angeregt von Kapitel 5, Notieren als Monologisieren, das den Notizen von Rolf-Dieter Brinkmann 1972/73 in Rom nachgeht.

16:07
Kaiserbrunnen, datiert auf 1897,
die Reisegruppe davor hat annähernd dasselbe Alter.
Seltsam hässliches Alles,
bis auf die Seehasen.
Ob die sich später dazugesellten?
Babylonisches Stimmengewirr.
Ein Junge, vielleicht neun,
verkauft mit Wasserfarben pastellig bemalte Steine.
Auch eine Verbindung von Ewigkeit und jetzt.
Warum der Gaul acht Beine hat,
habe ich all die Jahre nicht herausgefunden.

Übrigens: Mittlerweile habe ich das Rätsel um die acht Beine gelöst. Auf diesem Pferd ritt Friedrich II von Italien nach Konstanz und er musste schnell sein, schneller als Otto IV, der ihm den Thron streitig machen wollte. Da er es geschafft hat, gibt es nur eine Erklärung: Er hatte einen superschnellen Gaul mit acht Beinen.

Frei geschrieben – ein Buchtipp

Eins der ersten Bücher, die ich zum wissenschaftlichen Schreiben gelesen habe, ist das von Judith Wolfsberger. „Frei geschrieben. Mut, Freiheit & Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten“ ist in der Erstauflage 2007 erschienen. Der Titel ist Programm: Wolfsberger will in erster Linie Mut machen zum Schreiben, „Chuzpe“ ist eines ihrer Lieblingswörter, ein Wort das vorher nicht in meinem aktiven Wortschatz enthalten war.

Das Buch leitet Studierende einmal durch den gesamten Prozess des Schreibens einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit – vom Einstieg über die Ermutigung „There ist hope“ bis zum Ende, an dem vielleicht „Die Lust, weiter zu schreiben“ steht. Dazwischen erläutert die Autorin, warum es sich trotz der unbefriedigenden Situation mit der Anleitung beim Schreiben an Unis lohnt, eine Abschlussarbeit anzugehen, und vor allem, wie dies gelingt. Dabei ist sie an vielen Stellen sehr pragmatisch, kocht die Ansprüche runter und gibt gleichzeitig brauchbare und nützliche Tipps, worauf es ankommt und wie das Schreiben gelingt. Da stört es auch nicht, dass sie bei Abschlussarbeiten noch von den alten Diplom- oder Magisterarbeiten ausgeht, es lässt sich alles auf die kürzeren Bachelorarbeiten übertragen.

Durch das Einstiegskapitel mit Situationsbeschreibungen eignet sich das Buch dafür, gezielt nur die Kapitel zu lesen, die für einen selbst relevant sind. Dann ist jedes kurze Kapitel gleich aufgebaut: Zuerst die Erklärung, um was es geht und wie es zu meistern ist, danach konkrete Übungen unter der Überschrift „Jetzt bist du dran“ und Literaturempfehlungen zum Weiterlesen. Dazwischen, passend an das jeweilige Kapitel angeschlossen, werden Schreibmethoden kurz und prägnant vorgestellt – neun Stück an der Zahl, von „Morgenseiten“ über „Forschungsfrage“ und „SQR-Lesemethode“ bis „Beautycase zur Überarbeitung von Rohtexten“.

Judith Wolfsberger duzt die LeserInnen konsequent und hat einen flotten, manchmal ein wenig aufdringlichen Schreibstil, der nicht so ganz mein Fall ist. Inhaltlich gefällt mir das Buch aber sehr gut. Und zwischen all den großen Fragen wie beispielsweise der, was eigentlich Wissenschaftlichkeit ausmacht, stecken viele kleine, nützliche Tipps und Ideen, wie man sich die Arbeit leichter machen kann und sie gleichzeitig so gestaltet, dass man auch wirklich etwas davon hat.

Judith Wolfsberger: Frei geschrieben. Mut, Freiheit & Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten. Böhlau Verlag, Wien u.a., 2009², ISBN 978-3-205-78349-7

Angst schreiben mit dem Segeberger Kreis

Ab morgen bis Sonntag findet die Jahrestagung des Segeberger Kreises, Gesellschaft für Kreatives Schreiben e.V., statt. Zum Thema „Angst schreiben“ wird in verschiedenen Gruppen kreativ geschrieben, werden Schreibaufgaben und -anregungen erdacht, ausprobiert, reflektiert, weiter entwickelt, wieder geschrieben und gelesen. So stelle ich es mir zumindest vor.

Trotz des auf den ersten Blick nicht sehr einladenden Themas: Ich freue mich darauf.

Leichter im Text – ein Buchtipp

Das Buch ist weder neu (erschienen im August 2001), noch angesagt in der Schreibszene oder im auf solche Art Bücher spezialisierten Autorenhaus-Verlag erschienen. Doch es begleitet mich sehr zuverlässig durch mein Schreiberinnen-Leben, gerade habe ich es wieder hervorgeholt:

Leichter im Text. Ein Schreibtraining von dem Schweizer Ehepaar Christa und Emil Zopfi ist aus der Praxis von Schreibseminaren entwickelt worden. Man kann damit alleine im stillen Kämmerlein seine Schreibkompetenz weiter entwickeln, viele Anregungen lassen sich aber auch in Schreibgruppen oder -seminaren verwenden. Es deckt von „aufbrechen“ und „fließen“ über „spielen“, „formen“, „dichten“, „erzählen“, … bis zu „bearbeiten“ und „ankommen“ ein riesiges Spektrum von Schreiben ab. Man kann es von vorne nach hinten durcharbeiten, irgendwo aufschlagen und zehn Minuten zum Fund schreiben oder es immer wieder hervorziehen und damit spielen. Jedes Kapitel enthält eine Einführung, Hintergundtexte, Übungen und Beispieltexte, alles ist ansprechend illustriert und gestaltet.

Leichter im Text ist kein Training im Sinne von anstrengenden Übungen. Es ist ein Buch, das dazu ermuntert, den Stift in die Hand zu nehmen oder sich an die Tastatur zu setzen. Es macht Lust zu schreiben, zu experimentieren, das eigene Schreiben und die Welt des Geschriebenen zu erforschen. Denn Schreiben lohnt sich. Und es macht Spaß.