Persönliche Gedichtlesung

Dass ich es mit Gedichten habe, ist hier schon mehrfach deutlich geworden. Wer Gedichte nicht nur lesen, sondern auch hören möchte, ist bei lyrikline.org hervorragend aufgehoben.

Das mit dem Grimme Online Award ausgezeichnete Projekt lässt fast 800 Dichter in 56 Sprachen zu Wort kommen, von A wie Africaans bis Wayuunaiki, dazu kommt Sound poetry wie beispielsweise „tongueTrum“ der israelischen Autorin Anat Pick. Außerdem liegen viele Gedichte in Übersetzungen vor: Höre ich z.B. ein arabisches Gedicht der Autorin Sabah Zouein aus dem Libanon, sehe ich die für mich unlesbaren Buchstaben. In einem neuen Fenster lässt sich dazu eine deutsche Übersetzung öffen, so dass ich zum Klang des Gedichts und der Stimme der Autorin noch Inhalt bekomme.

Es ist viel von der eigenen Stimme zu lesen, wenn es um das Schreiben geht, und hier werden diese Stimmen erlebbar. Gerade bei Gedichten finde ich das wichtig, denn Klang und Rhythmus und Melodie sind zentrale Elemente. Sicher lässt sich zu manchem Gedicht über das Ohr eher Zugang finden als über das Auge, vielleicht auch ein anderer Zugang.
Da bei lyrikline.org die ganze Welt der Gedichte präsentiert wird, kann ich leicht beim Stöbern und Horchen vergessen, dass ich selbst was schreiben wollte.

Natürlich hat so ein Projekt zu wenig Geld – Damit ich weiterhin Gedichte in Farsi, Oriya und Rätoromanisch sehen, hören und verstehen kann, werde ich dem leisen Spendenaufruf im Jahresendzeit-Spende-bitte-Gebrüll wohl folgen.

Stilfragen – ein alter Hut

Nach allen möglichen Stil- und Schreibratgebern habe ich mir nun einmal die Stilfibel von Ludwig Reiners vorgenommen, die 1951 erschienen ist. Der Untertitel „Der sichere Weg zum guten Deutsch“ klingt so antiquiert wie das Buch alt ist, auch Tonfall und Beispiele sind nicht mehr zeitgemäß. Umso erstaunter war ich, was den Inhalt angeht: Seit 60 Jahren ist bekannt, was heute noch oft missachtet wird.

Reiners baut sein Buch didaktisch auf: zuerst ein wenig Grammatik, um die Grundbegriffe zu klären, dann 20 Verbote, 20 Regeln und schließlich 20 Ratschläge. Die Idee ist, dass sich die Verbote am leichtesten umsetzen lassen, wie z.B. „Zerreißen Sie nicht die zusammengesetzten Verben!“. Dadurch wird das Stilempfinden schon vergrößert. Nachdem man auch die 20 Regeln durchgearbeitet hat (z.B. „Wider die Hauptwörterei“ oder „Baut kurze Sätze“), ist man bereit für die dritte Stufe der Ratschläge, die „vom guten zum wirkungsvollen Stil“ führen sollen. Und damit alles ganz klar wird, wird jede Lektion mit Fragen und Übungsaufgaben abgeschlossen.

Auch wenn es ein alter Hut ist, so lange Substantivierungen, Floskeln und Schachtelsätze geschrieben werden, lässt sich aus diesem Buch noch etwas lernen. Ich war jedenfalls sehr verblüfft, dass die heutigen Stilratgeber nur aktuellere Beispiele hernehmen müssen.

Vorbereitet gut überarbeiten

Der Erfolgsautor Andreas Eschbach hat eine Homepage, die eine Fülle von Informationen für alle die bereit hält, die belletristisch schreiben (wollen). Von den „Mythen übers Schreiben“, die er demontiert, bis zur „Trostliste“ (= Autoren, die erst nach hartnäckiger Verlagssuche Erfolg hatten) lohnt es sich darin zu stöbern.

Besonders spannend finde ich seine 10-Punkte-Text-Überarbeitungs-Vorbereitung. Dies ist eine Methode, mit der Geschichten den stilistisch-sprachlichen Schliff bekommen, den sie brauchen. Die Vorbereitung besteht darin, zuerst zehn verschiedenartige Markierungen anzubringen, um „mögliche Schwachstellen“ zu entdecken, bevor dann im zweiten Schritt tatsächlich überarbeitet wird.
Die 10 Punkte – z.B. Füllwörter, Adjektive, Passiv – stehen in jedem Stilratgeber. Das besondere an Eschbachs Methode ist, dass der Text ganz systematisch Punkt für Punkt durchgegangen wird und man eben erst im zweiten Schritt entscheidet, was man verändern will. Das schärft die Augen, zeigt deutlicher als bei sonstigem Überarbeiten Verbesserungsmöglichkeiten auf und gibt mir so viel Distanz zum Text, dass ich wirklich überarbeiten kann.

Die 10-Punkte-Text-ÜV ist auf belletristische Texte ausgelegt. Sie lässt sich aber mit kleineren Anpassungen ebenso für Sachtexte anwenden.

Stephen Kings Leben und Schreiben – ein Buchtipp

Es gibt eine ganze Reihe von Büchern über das Schreiben aus der Feder erfolgreicher Schriftsteller. Nicht mehr neu, aber von mir jetzt erst entdeckt, ist das Buch „Das Leben und das Schreiben“ des Bestsellerautors Stephen King. Im Original ist es 2000 unter dem Titel ON WRITING erschienen, die deutsche Taschenbucherstausgabe 2002 bei Heyne.

Das erste bemerkenswerte an diesem Buch ist, dass es drei Vorworte und drei Nachträge enthält. Das ist erstaunlich für jemanden, der ganz zu Beginn schreibt, dies sei ein kurzes Buch. „Denn Bücher über das Schreiben sind voller Blödsinn.“
Zwischen Vorworten und Nachträgen liegen zwei Teile: der über das Leben und der über das Schreiben. Unter der Vorgabe, sein Werden als Schriftsteller nachzuzeichnen, schildert King Episoden seines Lebens von früher Kindheit bis zur Gegenwart. Das ist unterhaltsam und spannend zu lesen, wie es sich für einen echten King gehört, stillt die Neugier – wie lebt ein richtiger Schriftsteller, ein so erfolgreicher noch dazu? – und erzählt gleichzeitig schon einiges über Kings Gedanken zum Schreiben. In dem Teil über das Schreiben nimmt das Werkzeug Sprache einen großen Raum ein – ohne Wortschatz und Grammatik eben kein Text. Und weil King als eine Grundregel des Schreibenlernens „viel lesen“ ausgibt, enthält ein Nachtrag eine Liste mit lesenswerten Büchern ganz unterschiedlicher Art, alles was er während des Schreibens an diesem Buch gelesen hat.

„Das Leben und das Schreiben“ von Stephen King ist kein Schreibratgeber, mit dem jeder zum Bestsellerautor wird. Es ist ein persönliches Buch für alle, die den Horror-Autor kennenlernen wollen, und enthält viele interessante Ein- und Ansichten zum Schreiben.
Schreiben ist harte Arbeit und zum genialen Autor wird man nicht, wenn einem das Talent dazu fehlt. Doch Schreiben ist Leidenschaft.
„Und so fängt es an: Stellen Sie Ihren Schreibtisch in eine Ecke, und wann immer Sie sich ans Schreiben machen, halten Sie sich vor Augen, warum er nicht in der Mitte des Zimmers steht. Das Leben ist kein Stützgerüst für die Kunst. Es ist anderherum.“

NaNoWriMo – Start morgen

Für alle, die davon träumen, einen Roman zu schreiben, aber irgendwie nicht in die Pötte kommen, fällt heute um Mitternacht der ultimative Startschuss. Der National Novel Writing Month, der schon lange ein international writing month ist, läuft vom 1. bis 30. November. Welcher Monat des Jahres könnte besser geeignet sein, um einen 50 000-Wörter-Roman zu schreiben, als der trübe November?
Spielregel ist, am 1.11. etwas neues zu beginnen und die besagten 50 000 Wörter dazu zu schreiben. Der innere Kritiker hat bei so einem Vorhaben nichts zu melden. Um bei der Stange zu bleiben gibt es virtuelle und reale Unterstützung, in der deutschen NaNoWriMo-Gemeinschaft von Regina, Karin und Micha.

Hätte ich in einem Jahr einmal Zeit, einen Monat lang dem Schreiben Vorrang vor allem anderen zu geben, würde ich vielleicht auch einmal einen Roman schreiben. So wird es wohl bei Gedichten, Blogbeiträgen und Kurztexten bleiben.