Wislawa Szymborska über das Dichten

Die polnische Dichterin Wislawa Szymborska habe ich – trotz Nobelpreis für Literatur 1996 – erst nach ihrem Tod im Februar diesen Jahres kennengelernt. Sofort sprachen mich ihre Gedichte sehr an. Schade nur, dass ich kein Polnisch kann und deshalb darauf angewiesen bin, dass die Übersetzungen gut sind.

Szymborska hat einige Gedichte veröffentlich, in denen es um das Dichten selbst geht. In „Manche mögen Poesie“ fragt sie, „was aber ist Poesie“, in „Lampenfieber“ schließt sie aus der gängigen Formulierung „die Schriftsteller und die Dichter“, dass Dichter also keine Schriftsteller seien, „sondern?“ und in „Einfall“ hat sie zwar eine Idee, aber „schließlich gibt es andere Dichter“.

Dennoch hat sie geschrieben, hat sie gedichtet. Viel gedichtet. Ich will meine Schreibversuche nicht mit ihren Texten vergleichen. Aber gerne würde ich es wagen, mich hinzustellen und laut heraus zu posaunen, was Szymborska in „Möglichkeiten“ schreibt:

„Mir ist die Lächerlichkeit, Gedichte zu schreiben, lieber
als die Lächerlichkeit, keine zu schreiben.“

Schreibmonat November

Noch ist Oktober, doch ab einem gewissen Alter rasen die Tage nur so vorbei und so wird es höchste Zeit, sich gedanklich auf den November vorzubereiten: Der NaNoWriMo steht an und mit ihm auch die Ableger AcWriMo und Frapalymo. Über ersten habe ich hier schon einmal geschrieben, die anderen beiden sind mir im letzten Jahr neu begegnet.

Beim AcWriMo geht es um das Verfassen akademischer Texte – etwas das mindestens genauso viel Zuspruch und Ermutigung braucht wie Romanschreiben. Während beim NaNoWriMo eine festgelegte Wortzahl von 50 000 angestrebt wird, kann beim AcWriMo die Wortzahl selbst festgelegt oder auch ein anderes Ziel (z.B. bestimmte Schreibzeiten) angestrebt werden. Hauptsache die Herausforderung ist groß genug, dass es möglich wird, das Unmögliche zu erreichen.

Frau Paulchens Lyrikmonat Frapalymo ist der NaNoWriMo-Ableger für die Dichterinnen und Dichter unter uns. Das Motto lautet hier: „30 tage, 30 gedichte, no excuses“. Sophie Paulchen stellt jeden Abend eine Anregung für ein Gedicht auf ihren Blog. Dort kann auch, wer möchte, seine Gedichte posten.

Die Idee ist immer dieselbe: Ich entscheide mich zu schreiben und setze mir ein großes Ziel, ich verkünde dies laut, ich fange am 1.11. an zu schreiben, lasse mich durch die Gemeinschaft der Schreibenden beflügeln und … schreibe endlich. Auch/ gerade wenn keine Zeit ist. Die einzige Frage, die bleibt: Welcher Schreibmonat solls denn sein?

Dichter dichten – ab

Bei Uschtrin habe ich gerade etwas entdeckt, was ganz nach meinem Geschmack ist: „Der international führende Hersteller von Dichtungssystemen für Türen und Tore“ nimmt sein Programm „Wir sind Dichter“ ernst und hat einen Lyrikwettbewerb ausgeschrieben. Athmer heißt die Firma, die zumindest mir Dichterin ganz unbekannt war und die den ersten Preis mit 1000 Euro dotiert. Da werde ich gleich mal sehen, was ich „hinter der Tür“ – so das Thema – finde und losdichten statt abdichten. Auch handwerkliches in lyrischer Form ist erlaubt, Hauptsache die Dichtung stimmt.

Fahndungshilfe für formsache feigl

Formsache feigl hat ein neues Projekt gestartet mit einem Aufruf: Wer kennt diesen Mann? – Scheiße, von dem habe ich gehört. Da muss ich mithelfen. Sachdienliche Hinweise von mir an Wer kennt Jean Paul?:

Der Name
entfernt bekannt
irgendwas läutet

Wahrscheinlich Schulerinnerung

Dann im März d. J.
eine Dame
wichtig
sie sagt es ehrfürchtig
heilig
eindringlich

Will mich nach Franken locken
wohin genau vergessen
wegen ihm
Jean Paul
Geburtstag
wichtig
großer Geburtstag
wie viel genau vergessen
Franken

Nicht nur mich
viele
sehr viele
an diesen Ort
oder daneben
Spurensuche schreibend
und wandernd
vielleicht imitierend
nur weil es sich anböte

Wer
um Himmels willen
ist dieser Jean Paul
und wer
ist die Frau
die ihn so verehrt

Ich will da nicht hin
die anderen auch nicht
kennt keiner ihn
liebt keiner ihn
wer hat ihn gelesen
sie?
sie

Wäre sie nicht
wie sie ist
vielleicht läse ich
Jean Paul
aber sie ist
zu penetrant
zu heilig

Ich vergesse den Namen
das Werk
Franken

Zum Schreiben
will ich lieber
ins Elsass
wie die anderen
andere Spuren
suchen
wandern und reisen
in meinen Worten

(Wer sich über den für mich ungewöhnlichen Schreibstil wundert: Der kommt wohl von feigl, nicht von JP. Oder?)

Sophie Paulchen: Dichterin und Bloggerin

Im Kloster Irsee, wo ich letzte Woche weilte, durfte ich neben vielen anderen interessanten Menschen die Lyrikerin Sophie Paulchen kennen lernen. Es hat sich sehr gelohnt! Wer Sophie Paulchen noch nicht kennt und ihre tollen Gedichte erleben möchte, kann in ihrem Blog stöbern: Sophie Paulchen bloggt.

Hier kann man auch erfahren, was in Irsee unter den Lyrikern und Dichtern, aber auch bei den anderen Künstlern so los war. Danke, Sophie, dass Du die Energie aufgebracht hast, regelmäßig in Irsee zu bloggen. Außerdem hat Sophie den frapalymo erfunden, ein NaNoWriMo für Gedichte, der – Gedichte sind ja kürzer als ein Roman – zweimal im Jahr stattfindet. Ich werde schauen, dass ich im November dabei sein werde. Vielleicht schaffen wir es gemeinsam, den frapalymo bekannter zu machen und mehr Poesie in unsere Alltage zu bringen.