Alles neu, macht

der Oktober. Beziehungsweise hat der September damit angefangen und erste Vorboten zeigten sich bereits im Juli. Manchmal gibt es Phasen im Leben, da muss umgestaltet, geordnet, sortiert, gelöscht, ausgetreten werden. Da muss Platz geschaffen werden für Neues, Anderes. Oder auch nur das Alte in neuen Gewändern. Wie auch immer … nachdem nun der gewohnte Blog ganz anders aussieht, bin ich gespannt, ob dies zu neuer Schreiblust führt.

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Knackig und kurz: Meine Berufsbezeichnung

Wibke Ladwig von Sinn und Verstand hat eine Blogparade gestartet: „Und was machen Sie so beruflich?“ Tja, mein Beruf hat durch eine Stellenausschreibung einen Namen bekommen. Ich bin, tätätätä: Referentin zur Förderung von Schreibkompetenz.
Aha. Und was macht man da so?
Nun, ich baue ein Schreibzentrum an der Uni Konstanz auf, natürlich nicht allein, sondern mit engeren und weiteren Kolleginnen und Kollegen. Konkret heißt das:

  • Ich bilde Studierende dazu aus, dass sie andere Studierende bei Schreibaufgaben wie z.B. Hausarbeiten beraten, begleite sie, organisiere ihre Arbeit, bringe die ganze Schreibberatung ins Laufen und entwickle sie weiter.
  • Ich überlege mir Kurse und Workshops zum Schreiben, organisiere ReferentInnen dafür und unterrichte selbst.
  • Ich rede mit allerlei Menschen in- und außerhalb der Uni, um Bedingungen zu schaffen, die es Studierenden ermöglichen, sich selbst in der Rolle von Schreibenden und auch die eigenen Texte weiterzuentwickeln.
  • Ich organisiere besondere Events und Veranstaltungen, damit über das Schreiben geredet wird und sich Schreibräume auftun.

Das alles mache ich mit der Grundüberzeugung, dass es im Berufsleben immer wichtiger ist, schreiben zu können, dass Schreibenkönnen aber keine Frage des Talents ist, sondern gelernt werden kann und darf, und dass Bildungsinsititutionen wie Universitäten die Aufgabe haben, Schreibkompetenz zu fördern. Darum bin ich gern Referentin zur Förderung von Schreibkompetenz. Nur ist der Name halt lang und sagt am Ende doch nichts aus. Deshalb nenne ich mich auch manchmal:

  • Schreibtrainerin – ist schön, weil es mit dem Schreibenkönnen ein wenig ähnlich ist wie mit Marathonlaufen. Aber nein, ich prügle niemandem die Rechtschreibung ein.
  • Schreibpädagogin – klingt nach Lehre und Didaktik. Schreibdidaktikerin nenne ich mich übrigens nie. Und für das korrekte Abmalen von Buchstaben fühle ich mich gar nicht zuständig.
  • Schreibberaterin – mit der Rolle der Beraterin kann ich mich gut identifizieren. Allerdings berate ich nicht mittels Schreiben, sondern beim Schreiben.

Alle weiteren Bezeichnungen für meinen Beruf sind Umschreibungen, die wieder mehr als ein Wort brauchen. Und dann kommt zu dem Ganzen noch dazu: mein selbständiges Tun außerhalb der Uni, das Kreative Schreiben, berufliches und biografisches Schreiben, die Verbindung aus Schreiben und Psychologie … Deshalb sage ich manchmal auch nur:

Ich bringe Menschen zum und ins Schreiben.

An ganz mutigen Tagen sage ich noch was anderes, etwas was ganz viel Traum und ganz wenig Beruf ist, doch den Satz „Ich bin …“ auf eine sehr stimmige Weise vollendet. Davon berichte ich vielleicht ein andermal.

 

Schreibt!-Raum 17:Märchen umschreiben

Zur Zeit wird viel diskutiert über veraltete und diskriminierende Begriffe in Kinderliteratur und wie damit umgegangen werden soll. Auf Schwierigkeiten, die mich an diese Diskussion erinnern, bin ich letztens gestoßen, als ich das Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ vorgelesen habe. Mir war schon klar, dass das Märchen problematisch ist – so wie das Frauenbild in Märchen allgemein, sagen wir mal, schwierig ist – dass es allerdings so fürchterlich ist, merkte ich erst, als ich beim Ende ankam und meine Tochter aufmerksam lauschte. (Wer die Geschichte auch nicht richtig im Kopf hat, hier die Version, wie ich sie gelesen habe: Die Meerjungfrau muss sterben, weil der Prinz nicht sie gewählt, sondern eine andere geheiratet hat. Sie könnte ihr Leben jedoch retten und ins Meer zurückkehren, indem sie den Prinzen tötet. Doch sie liebt ihn so sehr, dass sie lieber das Messer ins Meer wirft und sich deshalb in Meerschaum auflöst).

Was tun? Spontan sagte ich sofort, dass ich das Märchen blöd finde und dass das eigene Leben immer wichtiger ist als irgendein Prinz. Klar, eigentlich hätte ich die Geschichte vorher allein lesen und dann verschwinden lassen müssen, doch dafür war es ja zu spät. Dann sind wir kreativ schreibend damit umgegangen und haben begonnen, unser eigenes Meerjungfrauen-Märchen zu schreiben, mit einer jüngsten Tochter, die die Mutter rettet und ihren eigenen Weg geht. Noch ist das Märchen nicht fertig, aber vielleicht darf ich es dann hier veröffentlichen. Und Märchen umschreiben, so dass uns die Aussage in der heutigen Zeit passt, dass eine Botschaft vermittelt wird, die Mädchen und Jungs stärkt statt klein macht, ist vielleicht eine gute Idee für viele Gelegenheiten im Grimm-Jahr 2013 – auch wenn die Grimmschen Märchen viel eher gehen als das genannte von Hans Christian Andersen.

Stille Nacht

Zwei Apfelzeltes später – die Frapalymo-Nachlese fehlt immer noch – ist es Weihnachten geworden. Kein guter Zeitpunkt, um wieder mit regelmäßigem Bloggen zu beginnen. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, um für mich in meinem Notizbüchlein von Hand zu schreiben.

Ich wünsche allen viele stille Nächte, friedliche, gemütliche, und melde mich hoffentlich mit neuem Elan und Dichtfreude im neuen Jahr wieder.

Jean Paul – die zweite

Es begann
mit der kaputten Waschmaschine
unserer Nachbarn
(übrigens nicht die einzige
Haushaltsmaschine
die in den letzten Wochen
den Geist aufgab)
und unserer Bereitschaft
selbstverständlich
ihre Wäsche bei uns

Mehrere Tage und
Handwerkerbesuche später
ein Päckchen
zum Dank
mit Tee
und Schokolade
von Zotter
den kleinen
dafür umso teureren
Täfelchen
mit schönen Bildern
drumherum

Geschmacksrichtung Lebkuchen
passend zur Jahreszeit

Die Überraschung
folgte nach dem Essen
(lecker übrigens
empfehlenswert)
Innen im Papier
– Umverpackung neudeutsch –
fand sich ein Gedicht
vom Pfefferkuchenmann
von Jean Paul
dem Dichter
nach dem Feigl
gerade fahndet

Jean Paul (1763 – 1825)
steht drunter
Das muss er sein
der Dichter
1763 + 250 = 2013
250 Jahre ist ein guter Zeitpunkt
um sich zu erinnern

Geschichte eines Pfefferkuchenmannes
steht da
und mächtig reimt sich auf prächtig
ein reißendes, schreckliches Ende
nahm er
steht da

Meine Schokolade
nahm ebenfalls ein schnelles Ende
nur die Geschichte
mit der Waschmaschine
ging gut aus
ebenso meine zufällige
Begegnung
mit Jean Paul

Gut

finde ich es nicht
das Gedicht
sonderlich lyrisch
auch nicht
aber verständlich
und klar
Jean Paul also

Hmm.