Leichter im Text – ein Buchtipp

Das Buch ist weder neu (erschienen im August 2001), noch angesagt in der Schreibszene oder im auf solche Art Bücher spezialisierten Autorenhaus-Verlag erschienen. Doch es begleitet mich sehr zuverlässig durch mein Schreiberinnen-Leben, gerade habe ich es wieder hervorgeholt:

Leichter im Text. Ein Schreibtraining von dem Schweizer Ehepaar Christa und Emil Zopfi ist aus der Praxis von Schreibseminaren entwickelt worden. Man kann damit alleine im stillen Kämmerlein seine Schreibkompetenz weiter entwickeln, viele Anregungen lassen sich aber auch in Schreibgruppen oder -seminaren verwenden. Es deckt von „aufbrechen“ und „fließen“ über „spielen“, „formen“, „dichten“, „erzählen“, … bis zu „bearbeiten“ und „ankommen“ ein riesiges Spektrum von Schreiben ab. Man kann es von vorne nach hinten durcharbeiten, irgendwo aufschlagen und zehn Minuten zum Fund schreiben oder es immer wieder hervorziehen und damit spielen. Jedes Kapitel enthält eine Einführung, Hintergundtexte, Übungen und Beispieltexte, alles ist ansprechend illustriert und gestaltet.

Leichter im Text ist kein Training im Sinne von anstrengenden Übungen. Es ist ein Buch, das dazu ermuntert, den Stift in die Hand zu nehmen oder sich an die Tastatur zu setzen. Es macht Lust zu schreiben, zu experimentieren, das eigene Schreiben und die Welt des Geschriebenen zu erforschen. Denn Schreiben lohnt sich. Und es macht Spaß.

Lyrikkalender – ein Tipp

Die Besprechung von Hellmuth Opitz auf Fixpoetry hat mich erinnert: Demnächst ist das Jahr vorbei (ach so?) und mein Lyrikkalender, der mich durch das Jahr begleitet hat, geht zu Ende.

Jeden Tag ein Gedicht und zwar zum Anfassen und in Händen halten, diese Dosis Lyrik hat sich für mich bewährt. 2011 hat mich der Lyrikkalender von Wunderhorn inspiriert und neben einem Gedicht mit Informationen zum Autor und zum Gedicht versorgt. Dieses Jahr werde ich wohl den Deutschen Lyrikkalender (Alhambra Publishing) wählen, der mich durch das Konzept Umklappen statt Abreißen anspricht – all die 365 Zettel von diesem Jahr liegen nämlich gestapelt in der Schublade, zu schade zum Wegwerfen, als Zettelwirtschaft allerdings auch nicht wirklich zu etwas zu gebrauchen.

Nun entdecke ich, dass es von Alhambra auch einen Kalender für junge Leser gibt. Das macht die Auswahl nicht einfacher. Jeder Tag ein Gedicht wird bleiben, dabei gilt, jedes Jahr eine neue Chance – demnächst steht die Entscheidung an.

Raum zum Schreiben – ein Buchtipp

Das Pantun findet sich als Schreibanregung im Buch Raum zum Schreiben von Bonni Goldberg. Trotz gleichem Familiennamen hat sie wohl nichts mit Natalie Goldberg zu tun, zumindest ist sie eine andere, auch wenn ihr Buch eine ähnliche Wirkung für mich hat wie das bereits vorgestellte Schreiben in Cafés.

Der Untertitel des Buches heißt Creative Writing in 200 genialen Lektionen. Ob sie wirklich genial sind, sei mal dahingestellt. Es sind auf jeden Fall 200 ganz konkrete Anregungen, die einen dazu bringen können, den Stift in die Hand zu nehmen – sei es eine Anregung zur Form wie beim Pantun oder eine inhaltliche Anregung wie zum Beispiel zum Thema „Verstecke“ oder „Jahreszeiten“ zu schreiben. Jede Lektion endet mit einem Zitat von irgendjemandem – das fügt der Anregung meist noch einen weiteren Aspekt hinzu und ist ein Schatz für einen Zitateliebehaber wie mich.

Das allerbeste an dem Buch ist aber, dass jede Schreibanregung nur eine knappe Seite lang ist. So lässt es sich – der Reihe nach oder irgendwo – aufschlagen, in weniger als zwei Minuten eine Lektion lesen und dann loslegen mit Schreiben. Damit wird es leicht, dem ersten Grundsatz des Schreibens zu folgen, den Bonni Goldberg in der Einleitung benennt: „Das Wichtigste ist, füllen Sie die Seiten. Schreiben Sie.“

Das Buch ist im Original 1996, in deutscher Übersetzung 2004 im Autorenhaus Verlag, Berlin erschienen. 2009 gab es mit einigen der Lektionen aus dem Buch einen Sommer-Schreibworkshop, die eingestellten Beiträge sind hier noch abzurufen – aber erst nach dem Schreiben 😉

Stilfragen – ein alter Hut

Nach allen möglichen Stil- und Schreibratgebern habe ich mir nun einmal die Stilfibel von Ludwig Reiners vorgenommen, die 1951 erschienen ist. Der Untertitel „Der sichere Weg zum guten Deutsch“ klingt so antiquiert wie das Buch alt ist, auch Tonfall und Beispiele sind nicht mehr zeitgemäß. Umso erstaunter war ich, was den Inhalt angeht: Seit 60 Jahren ist bekannt, was heute noch oft missachtet wird.

Reiners baut sein Buch didaktisch auf: zuerst ein wenig Grammatik, um die Grundbegriffe zu klären, dann 20 Verbote, 20 Regeln und schließlich 20 Ratschläge. Die Idee ist, dass sich die Verbote am leichtesten umsetzen lassen, wie z.B. „Zerreißen Sie nicht die zusammengesetzten Verben!“. Dadurch wird das Stilempfinden schon vergrößert. Nachdem man auch die 20 Regeln durchgearbeitet hat (z.B. „Wider die Hauptwörterei“ oder „Baut kurze Sätze“), ist man bereit für die dritte Stufe der Ratschläge, die „vom guten zum wirkungsvollen Stil“ führen sollen. Und damit alles ganz klar wird, wird jede Lektion mit Fragen und Übungsaufgaben abgeschlossen.

Auch wenn es ein alter Hut ist, so lange Substantivierungen, Floskeln und Schachtelsätze geschrieben werden, lässt sich aus diesem Buch noch etwas lernen. Ich war jedenfalls sehr verblüfft, dass die heutigen Stilratgeber nur aktuellere Beispiele hernehmen müssen.

Stephen Kings Leben und Schreiben – ein Buchtipp

Es gibt eine ganze Reihe von Büchern über das Schreiben aus der Feder erfolgreicher Schriftsteller. Nicht mehr neu, aber von mir jetzt erst entdeckt, ist das Buch „Das Leben und das Schreiben“ des Bestsellerautors Stephen King. Im Original ist es 2000 unter dem Titel ON WRITING erschienen, die deutsche Taschenbucherstausgabe 2002 bei Heyne.

Das erste bemerkenswerte an diesem Buch ist, dass es drei Vorworte und drei Nachträge enthält. Das ist erstaunlich für jemanden, der ganz zu Beginn schreibt, dies sei ein kurzes Buch. „Denn Bücher über das Schreiben sind voller Blödsinn.“
Zwischen Vorworten und Nachträgen liegen zwei Teile: der über das Leben und der über das Schreiben. Unter der Vorgabe, sein Werden als Schriftsteller nachzuzeichnen, schildert King Episoden seines Lebens von früher Kindheit bis zur Gegenwart. Das ist unterhaltsam und spannend zu lesen, wie es sich für einen echten King gehört, stillt die Neugier – wie lebt ein richtiger Schriftsteller, ein so erfolgreicher noch dazu? – und erzählt gleichzeitig schon einiges über Kings Gedanken zum Schreiben. In dem Teil über das Schreiben nimmt das Werkzeug Sprache einen großen Raum ein – ohne Wortschatz und Grammatik eben kein Text. Und weil King als eine Grundregel des Schreibenlernens „viel lesen“ ausgibt, enthält ein Nachtrag eine Liste mit lesenswerten Büchern ganz unterschiedlicher Art, alles was er während des Schreibens an diesem Buch gelesen hat.

„Das Leben und das Schreiben“ von Stephen King ist kein Schreibratgeber, mit dem jeder zum Bestsellerautor wird. Es ist ein persönliches Buch für alle, die den Horror-Autor kennenlernen wollen, und enthält viele interessante Ein- und Ansichten zum Schreiben.
Schreiben ist harte Arbeit und zum genialen Autor wird man nicht, wenn einem das Talent dazu fehlt. Doch Schreiben ist Leidenschaft.
„Und so fängt es an: Stellen Sie Ihren Schreibtisch in eine Ecke, und wann immer Sie sich ans Schreiben machen, halten Sie sich vor Augen, warum er nicht in der Mitte des Zimmers steht. Das Leben ist kein Stützgerüst für die Kunst. Es ist anderherum.“