Frapaymo2017-3

Haben sein gewesen werden
tun machen macht geschieht

Verballhornt genossen liebst
stolpern häkelte erwarte
verdaut spielend triumphieren
verschließen erregte siebe
musizieren kochen backen

Ich schlafe, du wartest, sie hämmert
er webt, wir wandern, ihr
begrabt, sie debattieren

Geschrieben haben werden
und staunen lesen

 

Der Impuls für diesen Text lautet Verben, ein Versuch, damit zu experimentieren.

Kuso17 – Rilkesche Stiftbetrachtungen

Du Spitzer, der bisher noch nicht Gedachtes
mit mancher Willkür aus den Tiefen pickt,
es sorgsam, wie zu früh an Licht Gebrachtes,
in dünnen Linien auf die Seiten drückt

Blass, ausradierbar, manchmal auch belanglos
Du lässt es einfach sein, machst Zeichenketten
verwandelst dich in grauen Fluss als hätten
Zeichen keine Bedeutung, wären Worte gleich groß

Stets Unparteiischer, der, wenn die Zeile
zum Ende kommt, darunter neu beginnt,
von links nach rechts, mit oder ohne Eile
sich führen lässt. Doch auch ein Sprung gelingt
aufs neue Blatt nach kurzer, langer Weile,
Ganz manchmal öffnest du auch eine Tür

Bis dann, nach tage-, nächtelanger Arbeit
du aufgebraucht bist auf dem Schreibpapier
Nur wenig Spuren bleiben noch nach deiner Zeit.

 

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Mai-Frapalymo2014-30

Vier Verse für den Mai

Bereits ist der Flieder vorm Haus verblüht,
Tomaten und Erbsen sind längst schon gesäht.
Nach unserem Picknick seine Nase rot glüht.
Der Mai war gekommen und geht.

 

Impuls war für gestern die Überschrift, also „Vier Verse für den Mai“. Offensichtlich will der Mai gereimt werden bei mir, bei anderen sieht er so aus.
Damit verabschiede ich mich von diesem Frapalymo, für den Wochenimpuls hatte ich keine Ruhe. Und ist das Motto nicht sowieso „30 tage, 30 gedichte“? 30 sind es nicht ganz geworden, aber immerhin 23 + 4 unvollendete Entwürfe. Damit starte ich zufrieden in den Juni und warte gespannt auf den November.
Danke, Sophie, für all die lyrische Geselligkeit und die offenbar anregenden Impulse.

Mai-Frapalymo2014-27

Maibeobachtungen auf der Terrasse

Spatz neben Amsel neben Taube
auf dem First gegenüber, eine singt
Auf der Liege sitze ich und glaube
dass mein Leben manchmal dysharmonisch klingt

Auf dem First gegenüber eine singt
die braune Taube sitzt glotzend daneben
Dass mein Leben manchmal dysharmonisch klingt
könnte ich ruhig betrachten, mir dann vergeben

Die braune Taube sitzt glotzend daneben
den angeblich frechen Spatz schert es nicht
Könnte ich ruhig betrachten, mir dann vergeben
hörte ich das Lied aus einer anderen Sicht

Den angeblich frechen Spatz schert es nicht
Spatz neben Amsel neben Taube
Hörte ich das Lied aus einer anderen Sicht
Auf der Liege sitze ich und glaube

 

Schreibe ein Pantun – tja, das mache ich gerne, wenn es auch ganz schön viele Zeilen sind für meine Verhältnisse. Deshalb ? nachgereicht. Hier gibts weitere Pantuns.

Mai-Frapalymo2014-26

Die Entscheidung wurde
am Sonntag Nachmittag getroffen
nachdem alle Kreuzchen gesetzt
die Summe mehrfach überprüft
der Zettel in der Urne versenkt war

Die Entscheidung fiel
bei strahlendem Sonnenschein
als vielleicht, hätte man geguckt,
die Berge hinterm See zu sehen waren
zahlreiche Boote gut im Wind lagen

Die Entscheidung war
überfällig seit mehreren Jahren
einige Wahlsonntage zogen ins Land
mehr oder weniger wichtige Kreuze
wurden gemalt und ein Bild der Realität

Nun muss die Entscheidung
nur noch umgesetzt werden
An einem beliebigen Wochentag

 

„Entscheidung am Sonntag“ wollte am Montagabend noch verdichtet werden. Diese Entscheidungen trafen die anderen Frapalymo-DichterInnen.