Frapalywo – geborgte Worte 6: Herzige Freiheit ohne Federn

Die Politik hat sich heute
ihr Traumvolk gewählt
alles fischherzige Leute

Als Klimawechsler hat sie taktiert
schwerefrei und nicht zu spät
vom eigenen Nichtwort profitiert

So hat sie heimwehgefiedert
sich mit Sehnsüchten vermählt
immer mehr eingegliedert

Erst ein großes Traumvolk gebaut
nach dem Befiedern gepfählt
Wehfischwortfrei – schaut

Die kursiven Wörter stammen aus Gedichten von Hilde Domin und wurde von Sophie zum Borgen ausgewählt.

Frapalywo-geborgte Worte 5: J. blue

I
Sie kamen
waren freundlich
sagt man
in unserem Dorf
brachten Kaugummi
und anderes
in unser Dorf
ihr Vater hieß
Johnny
sagt man im Dorf

II
Vom Himmel geschenkt
und wieder genommen
seine Hände und ihre
spüren nach Johnny
in ihrem Bauch

III
Eine verrauchte Kellerbar
samtagmorgens um drei
ein müder Barkeeper
ein Glas Whiskey ohne Eis
ein großer Junge
mit einer Mundharmonika in Moll
am Tresen eine Frau
im schwarzen Kleid
vielleicht blind
wartet


Diesmal ein geborgter Name als Impuls: „Johnny“ von Bertolt Brecht.

Frapalywo-geborgte Worte 1: heute nacht

heute nacht bin ich unten
beim ballast
geborgter
erinnerungen bleibe
ich liegen wir beide
du ich und unser
was war hätte sein
hätte werden können

heute nacht bin ich
unten
grabe ich zwischen
schichten dieser zeit
sortiere staune gebe
erinnerungen zurück

heute nacht bin
ich
bin ich bin


Dies ist mein Gedicht zum Impuls 1 der Frapalywo geborgte Worte. Die kursiv gesetzten Anfangsworte sind die erste Zeile des Gedichts „nachtdienst“ von tomas tranströmer.

Frapalymo2018-30: licht

morgen das erste
türchen die kerze

das funkeln der
sterne und lämpchen

in geschäften und
straßen leuchten augen

von kindern und
sie hat lichter

werdende reihen vor
augen zu viele

plätzchen für sie
und länger werdende

tage allein

 

Der letzte Impuls dieses Dichtermonats heißt “licht“.

Frapalymo2018-29: Kitschpoesie

Beim Frapalymo heißt es dichten
Und nicht über die anderen richten
Traut vereint schreiben wir Poesie
mit stimmigen Bildern und Harmonie

An jedem Tag eine neue Idee
Dabeisein tut auch gar nicht weh
Ein jeder schreibt im trauten Heim
Wählt sorgfältig Rhythmus, Stimme, Reim

Ein jedes Wort ist wohl gesetzt
Zusammen knüpfen wir ein Lyriknetz
Aus dreißig mal dreißig schönen Gedichten
Bei diesem Monat bleibt es aber mitnichten

Weil wir die Lyrik so sehr lieben
Schreibt jeder noch in Lywos sieben
Das Dichten und Lesen bringt uns keinen Schmerz
Es erfrischt unsern Geist, erfreut unser Herz

 

Wegen des Doppelimpulses dasselbe Thema wie gestern. Der Versuch einer möglichst kitschigen Umsetzung.