Schreibsteine, in den Weg gelegt

Sophie hat es getan und ich merke, wie ich neidisch werde: 8 Tage in Irsee dichten, 8 Tage Inspiration unter Schreibenden, Malenden, Singenden, … 8 Tage dem Alltag entfliehen und in Kunstwelten eintauchen. Ich habe mich nicht beworben, weil mein Urlaub schon geplant war, weil … Ja, warum eigentlich nicht. Nun beschäftige ich mich hier mit Kinderschuhe- und Schulsachen-Kauf, Verwaltungstätigkeiten und Familienurlaubsvorbereitung. Die Poetisierung des Alltags ist weit entfernt. Ob ich mich im nächten Jahr wieder traue? Ob ich mir poetische Inseln inmitten des Anderen schaffe?

Im Bregenzerwald haben wir einer plötzlichen Eingebung folgend Schreibsteine aus der Ach gefischt. Meiner sieht so aus:

Schreibstein

Schreibstein

Das Blatt ist weiß geblieben, der Stein liegt unbeachtet auf dem Notizbuch. Der Stein, der zum Schreiben inspirieren sollte, hat sich dem Schreiben in den Weg gelegt. Beim Wiederentdecken reift der Entschluss: Stein und Notizbuch wandern mit in die Berge. Erholung beim Schreiben steht auf dem Programm. Damit der Neid kein neues Futter erhält.

Immer wieder

Ob ich schreibe oder nicht schreibe, es lässt mich nicht los, das Schreiben. Nachdem ich nun seit Wochen pausiert und den Mai-Frapalymo habe vorbeiziehen lassen, nachdem die WordPress-Software aktualisiert ist und dann auch wieder Deutsch gelernt hat, nachdem ich bei einem Schreibweiberwochenende Schreibluft schnuppern durfte, Gedanken sowie Beine bewegte und Finger und Zehen in kreative Bergbäche tauchte, bin ich wieder da. Zumindest bis zum Sommerurlaub. Und immer wieder.

Schreibend reisen mit dem Segeberger Kreis

Den Text „Fluss ohne Brücke“ habe ich Ende März bei der Jahrestagung des Segeberger Kreises im Elsass geschrieben, bei der das Thema „Unterwegs – Reisen in die Welt und zu sich selbst“ hieß. Für alle, die den Segeberger Kreis nicht kennen: Diese „Gesellschaft für Kreatives Schreiben“ ist ein Verein von SchreibpädagogInnen, -didaktikerInnen und (kreativ) Schreibenden, die bei der jährlich im Frühjahr stattfindenden Tagung in Gruppen miteinander Schreibaufgaben bzw. -anregungen entwickeln, ausprobieren, reflektieren und darüber neue Impulse für ihre Arbeit bekommen und das Kreative Schreiben weiter entwickeln. Nebenbei entstehen schöne Texte und man lernt interessante Menschen kennen, die auch für das Kreative Schreiben brennen.

Wie genau die Schreibaufgabe war, die wir uns stellten und bei der ich den surrealen Prosatext geschrieben habe, will ich hier nicht darstellen. Das und noch viel mehr können Interessierte im Segeberger Brief nachlesen, der wohl im Spätsommer/ Herbst erscheinen wird. Was für mich besonders spannend war: Bei diesem (und auch anderen) Texten während der Tagung ist mir noch einmal bewusster geworden, wie mein Kreatives Schreiben im Bewegung kommt und bleibt:

Zuerst umkreise ich ein Thema bzw. einen Schreibauftrag, in dem ich irgendwie das Wortfeld erkunde. Beispielsweise mache ich ein Cluster oder eine Wortliste oder ich konjungiere ein Verb erst einmal durch oder ähnliches. Dabei formt sich in meinem Kopf eine Schreibidee, die ich zwar nicht benennen kann, die aber dennoch klar genug ist, um den Anfang des eigentlichen Textes zu finden. Ab da nutze ich einen zweiten Mechanismus: Ich stelle mir, wenn sie nicht sowieso schon vorhanden ist, eine formale Aufgabe. Beim Fluss ohne Brücke war dies die Aufgabe, möglichst nie zu einem Subjekt ein real passendes Prädikat zu finden, sondern jedes Mal zu versuchen, den Sinneskanal zu wechseln oder sonst auf irgendeine Weise ungewöhnliche Verbindungen zu schaffen. Andere formale Aufgaben können sein: eine streng festgelegte Textform zu verwenden, bestimmte Buchstaben auszulassen oder ähnliches.

Was andere vielleicht einengend oder unkreativ finden, hilft mir, den Schreibprozess laufen zu lassen und Ideen zu bekommen. Deshalb liebe ich formale Vorgaben oder klare Schreibaufgaben. Sie sind mir Wegweiser, Brücken und Hindernisse gleichzeitig auf meinen Schreibreisen. Andere reisen schreibend auf andere Weise besser oder lieber: mich interessiert wie.

Notizbücher – von winzig bis riesig

Mit schreibfreudigen Menschen ist es ja so eine Sache: Sie besitzen Unmengen von Notizbüchern in verschiedenen Formen, Farben, Mustern und für verschiedene Zwecke. Das richtige ist dann oft doch nicht dabei. Freundinnen von schreibfreudigen Menschen nutzen diese Leidenschaft, wenn sie auf der Suche nach einem Geschenk sind. Es ist ein dankbares Präsent, denn Notizbücher gibt es in unterschiedlichen Preisklassen, und vor allem: Es kommt immer gut an. Egal wie viele bisher ungenutzte Büchlein und Kladden ich noch in der Schublade habe; wickle ich ein weiteres aus Geschenkpapier aus, freue ich mich jedesmal.

Meine aktuellsten, als Geschenk bekommenen Notizbücher – von zwei verschiedenen Freundinnen aus unterschiedlichen Anlässen geschenkt – sind diese:

riesiges und winziges NotizbuchDas riesige (eine Seite ist fast A3 groß) ist wohl von Ikea, wo ich es allerdings noch nie gesehen habe, und bietet auf blanko-weißen Seiten Raum für viele Ideen, vielleicht sogar mal für ein Cluster, das nicht an der Papierbegrenzung scheitert. Das kleine sieht aus wie der Sommer, lässt mich fröhlich werden und hat Platz in jeder Tasche. Und siehe da: Ich habe endlich mal wieder etwas geschrieben.